Gespräch bei der Bezirksregierung am Montag, den 6.6.05, 15.30 bis ca. 17.00 Uhr
Teilnehmer:
Bezirksregierung:
Frau I. Hesekamp, zuständige Dezernentin
Herr Dr. J. Kaiser, Hauptdezernent
Schulen-Aktiv:
Sabine Vutz, Augustinianum Greven
Bettina Greulich, Augustinianum Greven
Bärbel Deiters, Goethe Gym. Ibbenbüren
Kris Steinbeck, Hannah-Arendt-Gym. Lengerich
Themen: Zentralabitur / Auswirkungen des neues Schulgesetz
In den kommenden Monaten werden umfangreiche Einführungsveranstaltungen zum Zentralabitur der Bez-reg für die Gymnasien angeboten. Im Internet sind unter www.Learn-Line.de die FAQ- Frequently Asked Questions veröffentlicht.
Kontinuität des Kurs-Angebotes (GK sowie LK) seitens der Schulen
Die Schulen müssen angesichts zentral gestellter Prüfungen sicherstellen, dass Kursangebote über einen längeren Zeitraum angeboten werden können, und nicht nur für einen Jahrgang (auch im Hinblick auf Wiederholer). Dies führ zu einer gewissen „Profilbildung“, die auch im Schulprogramm so formuliert werden sollte. Es können nicht von allen Gymnasien alle möglichen Kursangebote gemacht werden. Sollten Schüler ihren Wunschkurs nicht wählen können, müssen sie u.U. die Schule wechseln oder diesen Kurs an einer Kooperationsschule wählen. Änderungen des Kursangebotes sind dann nur über einen längeren Zeitraum möglich. (Aus Sicht der Eltern wird dadurch die Bandbreite des Kursangebotes enger, dieser Ansicht widersprach Frau Hesekamp)
Inhaltliche und
zeitliche Verbindlichkeit der Kursthemen
Fachkonferenzen müssen die Unterrichtsinhalte den Schulhalbjahren thematisch und zeitlich zuordnen, damit parallel laufende Kurse jederzeit vertreten werden können. So soll mehr Verbindlichkeit entstehen. Die „curriculare Freiheit“ ist dadurch eingeschränkt. Die Vorgaben sollen jeweils für ein Jahr gelten, und jährlich auf der Basis von Erfahrung geändert werden. Die Kooperation zwischen den Fachlehrern der Fachkonferenzen soll intensiviert werden, die Bedeutung der Fachkonferenzen erhöht werden.
Unterrichtausfall
Die Bezirksregierung sieht die Verantwortung für Unterrichtsausfall bei den Schulleitungen. Kurse sollten z.B. nur eingerichtet werden, wenn auch für den Vertretungsfall Lösungen innerhalb der Schule bestehen. Die Gesprächsteilnehmer sind sich einig, dass das Instrument „Geld-statt-Stellen“ sehr hilfreich ist, um Vertretungslösung zu finden, und plädieren dafür, den Betrag des „Geld-statt-Stellen“ Topfes zu erhöhen.
Exkursionen und außerunterichtlicher Unterricht soll in der Qualifikationsphase nur im begrenzten Umfang, im „verträglichen Rahmen“ stattfinden.
Fachspezifischer Vertretungsunterricht
Vertretungsunterricht soll von Fachlehrern übernommen werden. Schüler der Oberstufe sollen Unterrichtsausfall durch selbstständiges Lernen überbrücken (hier wurde das Schlagwort EvA genannt, „eigenverantwortliches Arbeiten“) Die Fachkonferenzen sollen für Vertretungsfälle, „Blöcke zur Vertiefung“ als Aufgabenstellung erarbeiten, die dann eingesetzt werden können.
Methoden-Aufbau
Ein systematischer Aufbau einer Methodenkompetenz mit einem durchgängigen, alle Jahrgangsstufen betreffenden Konzept wird von allen Gesprächsteilnehmern als wichtig erachtet. Dr. Kaiser: „Je mehr wir zu einheitlichen Standards und zentralen Prüfungen kommen, desto besser muss Methodik abgestimmt werden.“
Das Methodik-Konzept soll „fachspezifisch“ sein, d.h. bestimmte Lernmethoden sollen in einem vorher festgelegtem Rahmen in den Fächern vermittelt werden.
Für die Qualifikationsstufe wird neben „EVA“ auch „Selgo“ als ein Mittel des selbstständigen Lernens erwähnt. Die Eltern machen den Punkt, dass diese Art des Lernens zum Teil Unterrichtsausfall kaschiert und auf jeden Fall auf ein Minimum beschränkt bleiben muss.
Logistik /
Ganztagsschulenkultur
Obwohl dieses Thema außerhalb der Zuständigkeit der Bez-reg. liegt, richteten die Eltern auch die Aufmerksamkeit auf die zu erwartende Ganztagsschulenkultur an den Gymnasien. Durch das neue Schulgesetz wird die Stundentafel erhöht, die Zeit, die die Schüler an den Schulen verbringen, wird sich deutlich erhöhen. In der Praxis werden aber erst sehr selten zufrieden stellende Lösungen für einen Übermittagsbetrieb angeboten. Häufig fehlen Mittagsangebote, bzw. Cafeterien. Außerdem werden im ländlichen Raum die Transport-engpässe durch Einsparungen im ÖPNV (im Kreis Steinfurt beim RVM) verschärft.
Selbstständige Schule vs. Selbstständigkeit der Schulen
Die Selbstständigkeit und Verantwortung der einzelnen Schulen soll erhöht werden. Inwieweit sich dann auch eine größere Freiheit im Hinblick auf die Budgetierung ergibt, ist noch unklar. Die Bez.-reg. sieht auch durch die neue Landesregierung den Trend zu mehr Selbstständigkeit von Schulen weiter gewährleistet.
Zusammensetzung von
Kollegien / schulscharfe Ausschreibungen vs. Versetzungen
Die Eltern betonen, dass das Instrument „schulscharfe Ausschreibungen“ in den vergangenen Jahren dazu geführt hat, dass viele Kollegien harmonisch und effektiv zusammenarbeiten. Kritisch wird gesehen, dass zum Teil Versetzungen stattfinden, die nicht unbedingt an die jeweilige Schule „passen“. Frau Hesekamp erläutert, dass sie an die Vorgaben des Beamtengesetzes gebunden sind und sich bei anstehenden Versetzungen bemühen, gute Lösungen für alle Beteiligten zu finden.
Weiteres Vorgehen der Bezirkregierung:
Verlässlichkeit der Themen und Aufgaben
Die Bezirkregierung strebt an, die Aufgabenbeispiele bis zu den Sommerferien fertig gestellt zu haben. Die Aufgaben werden verpflichtend sein, es wird keinen „Erprobungsbonus“ gegeben.
Implementationsveranstaltungen
Insgesamt 90 Implementationsveranstaltungen werden in den kommenden Wochen durchgeführt. Allen Lehrern, die in der 12. Jgst. unterrichten, soll eine Fortbildung (möglichst in der Nähe des Wohnorts) angeboten werden. Die „erste Runde“ wird durch die Fachdezernenten, die „zweite“ durch das Dezernat 46 angeboten.
Generell wurde deutlich, dass die Implementation der neuen Bestimmungen unter erheblichem Zeitdruck stattfindet.