| Interessengemeinschaft der Elternvertreter der Gymnasien im Kreis Steinfurt „Kreiselternschaft“ April 2004 Fazit: Oster-Besuch im Düsseldorfer Landtag
Nachdem unsere Interessengemeinschaft beschlossen hatte, die aktuellen Sorgen und Nöte bezüglich der Lehrerversorgung an hoher Stelle, nämlich im Landtag in Düsseldorf vorzutragen, kam eine Menge Arbeit auf uns zu. So ein Besuch im Landtag will gut vorbereitet sein. Zunächst einmal sollte ordentlich gebastelt werden: Eier in allen Variationen, Osterbäume, Hasen aller Arten - Ostermotive, die die Probleme der Schüler anschaulich darstellen sollten. Ein Motto hatten wir schnell gefunden: „Der Kiepenkerl zieht übers Land!“ Es galt Termine abzusprechen: Wer hat Zeit für uns, mit wem würden wir gerne reden? Also schossen die Emails durchs Netz: Wann ist der Termin, auf wann wurde der Termin verschoben, wo ist der Termin etc. Schließlich hatten wir unseren „Stundenplan“ stehen: Von allen vier Parteien hatten wir einen Spezialisten in Sachen Schule als Gesprächspartner gewinnen können! Nächster Schritt: Wer fährt mit? Wie viele Eltern, wie viele Schüler? Fahren wir mit Privatautos oder mit dem Zug oder mit dem Bus? Was ist praktisch? Was ist am billigsten? Es galt, Preise zu vergleichen. Wo bekommen wir ein Kiepenkerl-Kostüm ? Und wieder sausten die Emails durchs Netz .... Bevor wir die „faulen“ Eier in Düsseldorf abladen wollten, sollte auch der Bezirksregierung in Münster ein Besuch abgestattet werden: das hieß, an den Geburtstag von Herrn Hagemann denken, die Beförderung von Herrn Aldejohann würdigen und – nicht zuletzt: formulieren: was wünschen wir uns von der Bezirksregierung? Inzwischen wurden es regelrechte „Eierberge“, die Schüler und Eltern im Kreis produzierten, unsere Aktion kam schon im Vorfeld gut an! Am späten Montagabend war dann alles vorbereitet: der Gesprächsleitfaden war geschrieben, der Bus bestellt, für jeden Teilnehmer ein Namensschildchen erstellt und der Kleber auf den letzten Eiern getrocknet! Am Dienstag, den 30.3.2004 fanden sich um 10.00 Uhr in Münster vor dem Overberghaus 20 Eltern und Schüler ein, um bei strahlendem Sonnenschein die leider eher trübe Situation der Gymnasien zu beleuchten. Im Gepäck ca. 150 bunte, beschriftete oder bebilderte Ostereier, Hasen, Plakate, Kerzen und und und ... Der Kiepenkerl schwitzte bereits unter seiner voll beladenen Kiepe, noch ehe die Vertreter von Presse, Funk und Fernsehen ihn vor die Linse bekommen hatten! In der 1.Etage angekommen, waren wir es jedoch, die vor Staunen große Augen bekamen: Wir fanden einen reich gedeckten Tisch vor, ein großzügiges österliches Frühstücks-Buffet, so dass wir uns vor der langen Fahrt nach Düsseldorf noch reichlich stärken konnten. Herr Hagemann und Herr Aldejohann begrüßten unsere Delegation herzlich und versprachen, unsere Wünsche bezüglich einer größeren Planungssicherheit der Schulen und einem besser gestrickten Vertretungsplan wohlwollend zu prüfen. Um 11.00 Uhr ging die Fahrt im Bus los – und das Bangen: Schaffen wir das in zwei Stunden? Es blieb ein bisschen Zeit um auszuruhen, selbst für die Reporterin von Radio RST, die uns den ganzen Tag begleitete. Und dann waren wir – fast – pünktlich vor dem Landtag angekommen! Erste Enttäuschung an der Sicherheitskontrolle: zwei Rieseneier mussten draußen bleiben, sie waren einfach zu groß! Herr Wilp von der CDU nahm uns in Empfang; auch Hannelore Brüning und der schul-wissenschaftliche Mitarbeiter, Dr. Christoph Holzem standen für unser erstes Gespräch mit der CDU zur Verfügung. Nach einer Stunde war klar: Man hatte uns sorgfältig zugehört, man nahm uns ernst und freute sich über die mitgebrachten „Geschenke“. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr ein „Setzkasten“, den Bernd Diesel, ein Vater aus Lengerich gebastelt hatte: In Kleinformat stellt er ein Klassenzimmer dar mit je 34 Miniaturtischen und –bänken. Anhand dieses Modells erkennt man, dass in einem solchen Klassenraum mit 34 Schülern nur eine einzige Möglichkeit besteht, die Tische anzuordnen – und dann ist keine Gruppenarbeit mehr möglich, die Anordnung lässt nur Frontalunterricht zu. Dieses Kästchen hatte es Frau Brüning besonders angetan, sie wollte es gar nicht mehr aus der Hand geben! Die Schüler freuten sich, dass Herr Wilp ihnen auch noch den Plenarsaal zeigte, aber dann wurde es auch schon Zeit für das nächste Gespräch: Manfred Degen, schulpolitischer Sprecher der SPD erwartete uns. Von ihm wurden wir jedoch arg enttäuscht: Weder hatten wir den Eindruck, dass er unsere Sorgen ernst nahm noch dass er unsere Forderungen wahr nahm. Schilderungen, dass es Klassen gibt, die in einem Halbjahr drei verschiedene Englischlehrer hatten, dass es Klassen gibt, in denen wochenlang der Deutschunterricht ausfällt, tat er mit einem Schulterzucken als „Einzelfälle“ ab. Angesichts von zahlreichen
Schülern, die sich die Mühe machen, ihre Sorgen über ausfallenden Unterricht in
Düsseldorf kundzutun, Zeit, Mühe und Engagement zeigen, konnte man hier nur
noch von politikmüden Politikern sprechen ... Was für eine Chance – vertan! Der SPD folgte die FDP mit Herrn Ralf Witzel, der sich Gott sei Dank als ein aufmerksamer Zuhörer erwies und uns versicherte, dass die FDP dem Thema Bildung oberste Priorität einräume! Die Bastelgeschenke nahm er gerne an und wünschte sich schließlich noch ein paar Fotos für sein Archiv! Am Ende des Gesprächsmarathons stand Frau Löhrmann von Bündnis 90/Die Grünen bereit: auch sie eine sehr gute Zuhörerin, die unsere Sorgen ernst nahm. Dass es Mängel im System der Lehrerversorgung gibt, wollte sie nicht bestreiten und führte dies auf die verschiedenen Verwaltungsebenen zurück. Den ihr überreichten Osterbaum kommentierte sie mit den Worten: „Ach, ist der schön!“ Um 18.00h waren die Gespräche beendet, ein langer und anstrengender Tag war damit aber noch nicht zu Ende: Busfahrt nach Münster und Zugfahrt in die verschiedenen Heimatstädte des Kreises mussten noch überstanden werden, unterwegs erfuhren wir über Handy, dass unsere Aktion in der „Aktuellen Stunde“ im WDR3 um 19.30h gezeigt wurde! An dem Abend fielen wir total erschöpft in die Betten! Natürlich fragten wir uns alle: „Hat es sich gelohnt?“ Die Antwort auf diese Frage hängt ganz davon ab, mit welchen Erwartungen man ein solches Unterfangen angeht. Unser Ziel war es ja, auf die immer noch unzufriedene Situation bezüglich der Lehrerstellen an den Gymnasien im Kreis Steinfurt aufmerksam zu machen. Und das ist uns auch gelungen, denn mindestens in drei von vier Fällen haben wir Zuhörer gefunden, die unsere Sorgen ernst nahmen und sahen, dass sich im Verteilungssystem etwas ändern muss, damit in Zukunft der kontinuierliche Unterricht in annehmbaren Lerngruppen nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel ist! |